Genügsamkeit

by | 13 Apr 2021

«Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf» – Sokrates

Wie schön und leicht wird das Leben, wenn ich weniger haben will und haben muss.

Wenn die Last vom Haben Wollen langsam kleiner und immer weniger wichtig wird.

Wenn ich zurückschaue auf meinen Lebensweg, waren da immer irgendwelche Bedürfnisse, die erfüllt werden wollten. Irgendetwas fehlte immer zum vollkommenen Glücklichsein.

 Irgendwo war immer noch ein offener Wunsch da.

Ein Wunsch, der immer sehr präsent war: Die Freiheit, meine Freiheit, wieder zu erlangen. Nicht fremdgesteuert zu werden. Nicht jeden Morgen aufstehen müssen und weg von Zuhause zur Arbeit fahren. Endlich meine wertvolle Lebenszeit wieder selber gestalten zu dürfen und auch zu können. Ich war nicht -immer- unglücklich oder unzufrieden, mit dem was ich als Gegenleistung für den Lohn machen musste, machen durfte. Aber glücklich war ich auch nicht.

Manchmal war der grosse Wunsch da, in einer Partnerschaft sein zu dürfen, wo ich getragen und unterstützt werde. Nur um dann zu merken, dass auch das nicht für immer sein konnte. Ein anderes Mal war es auch einfach ein ganz gewöhnliches Gefühl von Neid auf meine Mitmenschen, die Ihr Leben so leicht leben konnten, die all das hatten und konnten das ich auch haben wollte.

Etwas fehlte immer zum vollkommenen Glück.

Obwohl es immer wieder Momente des Glücks gab und ich auch wusste, dass das Glück nicht haltbar ist,

dass diese schwierigen Momente nötig sind um zu wachsen an Erfahrungen und Einsichten,

war es manchmal schwierig und langwierig.

Eine Zeitlang konnte ich meine Wünsche mit materiellen Dingen befriedigen.

Bis irgendwann auch das ewige Konsumieren mich nicht mehr erfüllte. Zu merken, dass das Anhäufen von Materiellem mich immer schwerer werden liess und ich mich an die Dinge anhaften liess.

Die Kinder wurden erwachsen und schon war der Tag ihrer Nestflucht da. Ich freute mich mit Ihnen und auch für mich. Endlich gehörte meine Zeit wieder mir. Unterdessen hatte ich auch schon meinen Yoga Weg eingeschlagen und ging Schritt für Schritt weiter. Ohne es wissentlich bei jedem Schritt zu bemerken, fing sich vieles in und um mich an zu verändern. Eine sehr angenehme Gelassenheit machte sich immer mehr bemerkbar. Vieles, das früher sehr wichtig und unabdinglich war, verlor an Wichtigkeit und Wirkung. Anderes kam zum Vorschein und zum Wirken.

Die Suche nach dem Glück veränderte sich. Auf einmal war und ist das Glück, die Zufriedenheit, ein guter, treuer Wegbegleiter geworden. Meine Wunschliste wird langsam kleiner. Die wunderbare Einsicht, dass es eigentlich so wenig zu einem erfüllten Leben braucht, ist sehr wohltuend und beglückend. Auch zu fühlen, dass der Weg nicht so sehr von den äusseren Dingen abhängig ist, beruhigt. Denn immer mehr kommt die Glückseligkeit aus meinem Innern.

Auch das Loslassen -Dürfen und -Können ist sehr befreiend. Das Erkennen, dass ohne Gier und Haben-Müssen-Wollen, das Leben sich erfüllt, so wie es für einen richtig ist.

Anstatt zu versuchen, die Welt nach seinen Wünschen zu verändern, passt der Weise seine Wünsche an die Welt an und bewahrt sich so seine Gelassenheit.